Sunday, May 1, 2022

DAS NEUE ERKENNTNIS-CHRISTENTUM - Die Weihnachtstagung 1923/24 als Aufbruch zur VI. Kulturepoche und was daraus geworden ist

 Pfingsttagung und Ausstellung im Elisabeth Vreede Haus 

Zum Gedenken an die drei mal 33 1/3 Jahre seit der Neugründung der Anthroposophischen Gesellschaft im kommenden Jahr und zur Besinnung  über ihre gegenwärtige, äußert kritische Lage,  sowie zur Betrachtung über ihre mögliche sozialästhetische Erneuerung veranstaltete das Willehalm Institut im November und Dezember letzten Jahres im Elisabeth Vreedehaus in Den Haag eine Reihe von Vorträgen aus einer Holländischen Übersetzung von Herbert Witzenmanns 13-teiliger Einleitung zu Rudolf Steiners Buch "Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums".

                Unter anderem wurde dadurch deutlich, dass die als erkenntnischristliche Gemeinschaft neugegründete Anthroposophische Gesellschaft eine zeitgenössische Metamorphose der Glaubensgemeinde aus den Geschehnissen des Urchristentums zur Zeit des Mysteriums von Golgatha aufzufassen ist. Daraus ging die Einsicht hervor, dass mit der Neugründung der Gesellschaft die Organisationsform eines wahren Christentums zur Vorbereitung der sechsten slawischen Kulturepoche zu schaffen beabsichtigt wurde,  die nach Rudolf Steiner in seinem Vortrag über den Manichäismus am 11. November 1904 zu Berlin schon jetzt in der fünften nach-Atlantischen Kulturepoche vorbereitet werden soll. Dass überdies der Schlüssel zum Erleben dieses neuen Erkenntnischristentums die seelische Beobachtung nach naturwissenschaftlicher Methode von Rudolf Steiners "Philosophie der Freiheit" ist, findet sich im weiteren in den Aufsätzen Das Mysterium von Golgatha und Erkenntnis als Mysterium aus der Schrift "Aufbruch zur 6. Kulturepoche" von Valentin Tomberg begründet, die in einer englischen Arbeitsübersetzung auf der Facebook-Site "The New Christianity – Emergence into the 6th Cultural Age“ veröffentlicht wurden.

                Zur Vorbereitung der Jahrhundertfeier der Weihnachtstagung veranstaltet nun das Willehalm Institut am 27., 28. und 29. Mai wiederum im Vreedehaus eine Pfingsttagung unter dem obgenannten Titel, bei der in fünf Vorträgen, Gespräche und Begegnungsmöglichkeiten versucht werden soll, Rudolf Steiners Aussage, die Weihnachtstagung sei ein "Welten-Zeiten-Wende-Anfang", zu entschliessen. Künstlerische Beiträge in Form einer Ausstellung, von Musik und Filmen werden die Tagung umrahmen.

                Auf die am 24. April geöffnete Telegram-Seite „Das neue Christentum – Die Weihnachtstagung als Aufbruch zur 6. Kulturepoche“ ist es möglich, sich als Mitglied zu melden und sich über die Tagung und Weiteres zu äußern. 

Programm 

Freitag, 27. Mai

17:00 - 18:00 Uhr:

Vernissage der Text- und Gemäldeausstellung von Jan de Koks Illuminationen zu der niederländischen und englischen Übersetzung  des Buches "Die Tugenden – Zwölf Monatsmeditationen" von Herbert Witzenmann durch den Organisator der Tagung, Robert Jan Kelder, Sänger und Liedermacher im Ruhestand, Übersetzer und Leiter des von ihm 1985 in Arlesheim, Schweiz, gegründeten  Willehalm Instituts für Anthroposophie als Gralsforschung, Königliche Kunst und Soziaal0rganik in Amsterdam. Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis zum 3. Juni zu sehen. Das obige Bild zeigt die Illumination für die Monatstugend Juni  Ausdauer wird Treue die vom 21 Mai bis 21 Juni geübt werden kann.

19:30 - 21:30 Uhr: 

Pfingsten als Stiftung des Himmelreiches Gottes von Freiheit und Liebe auf Erde und seine Fortsetzung durch die Weihnachtstagung.

Eröffnungsvortrag von Robert Jan Kelder auf Holländisch mit einer Zusammenfassung auf Englisch. Seine Darstellung  beginnt mit dem Abspielen seines Lebensliedes "Gypsy Scholar", arrangiert für Gesang und Orchester am Keyboard, und vor mehr als 10 Jahre aufgenommen in der Bibliothek des Willehalm Instituts mit dem englischen Produzenten Luke Nyman . Der Vortrag ist eine Fortsetzung seines englischen digitalen Pfingstvortrags „ The Corona Virus Pandemic as a Wake-up Call to Realize God's Kingdom on Earth“ von Juni 2021, der auf dem Robert Kelder YouTube-Kanal mit all seinen sonstigen Videos zu sehen ist. Wird live übertragen auf  Facebook und später auf YouTube gesetzt.

Samstag, 28. Mai

10:00 - 12:30 Uhr:

Elisabeth Vreedes Blick auf die Stiftung der erkenntnischristlichen Gemeinschaft durch Rudolf Steiner und die Grundlagen der anthroposophischen Gesellschaft, wie sie dem Sinn und Geist der Gesellschaftsstatuten Rudolf Steiners abzulesen sind.

Vortrag des Italo-Schweizerischen Filmemachers, Eurythmisten, Schriftstellers, Verlegers und Pädagogen Reto Andrea Savoldelli, Autor u.a. des Aufsatzes über den Untergang von 9 der 15 Gründungsstatuten: "Der allmähliche Verlust der sozialästhetischen Qualifizierung in der allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft" aus dem zweiten Teil seiner Trilogie "Über die Tätigkeit von Herbert Witzenmann im Vorstand am Goetheanum" von 1963 bis zu seinem Tod 1988. Er wird erörtern, was die Geschichte der Gesellschaft lehrt und welche Anforderungen sie an die Gegenwart stellt, und zwar am Beispiel der 1973 von Herbert Witzenmann gegründeten Arbeit von „Das Seminar - sozialästhetische Schulungsstätte“ in Basel.

(Der Vortrag wird in deutscher Sprache gehalten und je nach Bedarf ins Englische oder Niederländische übersetzt.)

15:00 - 16:00 Uhr:

Gelegenheit für Fragen, Diskussion der beiden vorangegangenen Vorträge, freie Beiträge zum Tagungsthema

16:30 - 18:00 Uhr:

Der Heilige Gral, die Weihnachtstagung und die Offenbarung des Johannes.

Vortrag von Patrick Steensma, Rechtsanwalt, Unternehmer, Visionär, Autor, Experte für Gralschristentumund energetischer Erdheiler. Zusammenfassung: Der Heilige Gral wurde von Christus beim letzten Abendmahl initiiert und ist seitdem zum neuen Kernsymbol für persönliche spirituelle Entwicklung und Einweihung geworden. Die Offenbarung des Johannes ist von ähnlicher Art, aber eingebettet in einen Rahmen, der die von Christus werdende Welt darstellt, deren Mitgestalter der Mensch werden kann. Der Inhalt und die Struktur der Weihnachtstagung entsprechen diesen beiden und sollten eine Grundlage dafür bieten, diese Ziele in der Gemeinschaft zu praktizieren und organisieren.

Der Vortrag wird in englischer Sprache gehalten und kann live über die Facebook-Seite "The Christmas Conference – Emergence into the 6th Cultural Age“ und später auch auf YouTube verfolgt werden.

19:30 - 21:30 Uhr:

Rudolf Steiners Memoranden an die deutsche und österreichische Regierung von 1917 zur Beendigung des Ersten Weltkriegs auf der Grundlage der Idee des dreigliedrigen sozialen Organismus.

Präsentation durch den Übersetzer Robert Jan Kelder der ersten englischen Übersetzung dieser ersten makrosozialen Entwicklungsstufe des neuen Zivilisationsprinzips, der Sozialorganik, das auf der Weihnachtstagung als Urbild mesosozialer Gestaltung zwar inauguriert aber im weiteren nicht durchgeführt wurde. Sein schmerzhaftes Fehlen ist die größte Bedrohung des Weltfriedens. Die von Rudolf Steiner angeregt und von Herbert Witzenmann aufgenommene Idee der Bildung von über die Erde mit einander verbundene Oasen der Menschlichkeit bietet Aussicht auf ein Weltfriedensbund.

Dieser Vortrag ist die Fortsetzung eines Vortrags, der 2017 auf einer sozialwissenschaftlichen Konferenz an der „University  for Higher Economics“ in Moskau unter dem Titel "Rudolf Steiners Idee der Sozialorganik - ein neues Zivilisationsprinzip" auf English gehalten wurde. Wird auch live über die Facebook-Seite "The Christmas Conference" und später auf YouTube wieder zu verfolgen sein.

Sonntag, 29. Mai

10:00 - 12:30 Uhr:

Filmvorführung My Indian Lockdown 2020 (87 min).

Savoldellis Film erzählt, wie eine am 12. März 2020 ausgerufene Pandemie einen gemeinsam geplanten, dreiwöchigen Urlaub in Südindien in ein viermonatiges Isolationstraining verwandelte und die er allein zumeist auf einem Balkon in Arambol (Goa), hundert Meter vom Arabischen Ozean entfernt, verbrachte. Während der langen heißen Jahreszeit wie bei heftigen Monsumstürmen. Ein privates Kräftemessen mit einer globalen Agenda, die von langer Hand auf Verschwörungskonferenzen vorbereitet wurde, die die Entscheidungsfreiheit von Millionen von Menschen untergrub und ihr Schicksal mitbestimmte.

Der Filmemacher hielt 2018 an der Moscow School of New Cinema Vorlesungen über Kinematografie, die demnächst als Publikation der Filmschule auf Russisch erscheinen werden. Infos und Trailer zum Film.

15:00 -16:30 Uhr:  Prüfungen beim Bilden und Betreiben gegenwärtiger Zentren anthroposophischer Geisteswissenschaft Vortrag von Reto Andrea Savoldelli. Über die Bedeutung sozialer und antisozialer Triebe im Menschen. Geburts- und Todesmysterien. Abelitische und Kaïnitische Wege zum Geist. Vom umgekehrten Kultus als Zugang zu einem wahren Verständnis der Anthroposophie Rudolf Steiners. 

17:00 - 18:00 Uhr: Gelegenheit für Fragen, Diskussion über die  Vorträge, freie Beiträge zum Konferenzthema und Perspektiven für eine mögliche Fortsetzung dieser Initiative.

19:00 - 21:30 Uhr:  Vorführung von STELLA DA FALLA (1971, 83 Min.)

Savoldellis Film war der erste europäische Fernsehfilm, der das Leben des Protagonisten in der längst untergegangenen Welt des Mittelalters zum Ausgangspunkt nahm. STELLA DA FALLA war der Schweizer Beitrag für das Filmfestival von Locarno 1972, wo der Film das Interesse des Jurors Andrei Tarkovsky weckte. Der lange Schlusstanz des Films fand im Sommer 1971 auf der Bühne des Amsterdamer Clubs De Melkweg statt.  Andere historische Dokumente zeigen Amsterdamer Straßen und Hippie-Feiern im Vondelpark. Diplôme d'excellence Festival International du Cinéma en 16mm, Montreal 1972.

Für weitere Details siehe Savoldellis Buch: "Rudolf Steiner über das Kino", (SeminarVerlag, Basel 2017) und "The Future Art of Cinema -Rudolf Steiner's Vision" (Temple Lodge 2020).

Für weitere Details: Info und Trailer

 

Standort: Elisabeth Vreedehaus, Riouwstraat 1, 2585 GP Den Haag (info@vreedehuis.nl )

Eintritt:  Freiwilliger Beitrag von 10 Euro pro Vortrag und Filmvorführung erwünscht.

Organisation und Information: Willehalm-Institut, Kerkstraat 386A, 1017 JB Amsterdam. Tel. + 31 (0)6-23559564; Willehalm@gmail.com  

Websites: http://Willehalm-Stiftung.blogspot.nl; http://Willehalm-Stiftung.blogspot.nl  

Anmeldung: Nicht erforderlich, aber es besteht die Möglichkeit, am Samstag und Sonntag zu Mittagessen (€ 9) und am Freitag, Samstag und Sonntag zu Abendessen (€12,50) im Vreedehaus Café. Teilnehmer sollen sich vor dem 24 Mai bei der Organisation melden.

Änderungen vorbehalten

Saturday, April 2, 2022

DAS KREUZ DER WEINACHTSTAGUNG - Antrag an die Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 2022 am Goetheanum zur „Nicht-Entlastung des Vorstands“


Motto 

Was die Satzung von Manu war für das Alt-Indische Volk

und das Gesetz von Moses für das Israelitische Volk,

das waren die Statuten Rudolf Steiners 

zur Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft

als die Form für das wahre Christentum der 6. Kulturepoche.“ 

Frei nach Rudolf Steiner, Valentin Tomberg und Herbert Witzenmann


Vorbemerkung 

Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft verfolgt nach §2 ihrer heutigen Statuten „ihre Aufgaben und Ziele nach dem ihr von Rudolf Steiner vorgeschlagenen und bei der Gründungsversammlung am 28. Dezember 1923 von den Mitgliedern einstimmig angenommenen Gründungs-Statut. Diesem Gründungs-Statut entsprechend obliegt ihr die Aufgabe der Pflege künstlerischer, wissenschaftlicher und erzieherischer Bestrebungen im Sinne des Goetheanum, der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft.“

Was nun der Aufgabe des Vorstands betrifft, so sagte Rudolf Steiner an dieser Gründungsversammlung der Weihnachtstagung am 27. Dezember  1923 das Folgende: „Der Zentralvorstand wird als seine Aufgabe lediglich die Realisierung der Statuten zu betrachten haben; er wird alles zu tun haben, was in der Richtung der Realisierung der Statuten liegt. Und damit ist eine große Freiheit gegeben. Aber zugleich weiß man auch, was man an diesem Zentralvorstande hat, denn man hat die Statuten und kann aus ihnen ein vollständiges Bild gewinnen von dem, was er jemals tun wird. Dadurch ist auch die Möglichkeit geschaffen, überall auf realem Boden zu stehen, wo solche Vereinigungen entstehen, wie zum Beispiel der Goetheanum-Bauverein. Und es wird in den nächsten Tagen die Aufgabe sein, zwischen dem Vorstand, der sich gebildet hat und dem Goetheanum-Bauverein, die entsprechende Relation zu bilden.“

Man kann die zweifache Aufgabe, die Rudolf Steiner hier beschreibt, in der Gestalt eines Kreuzes betrachten: deren vertikale Linie wäre die Realisierung der Verbindung zwischen Himmel und Erde durch die Erschaffung einer gemeinsamen ätherischen Bewusstseinsschale für die Aufnahme des neuen Erkenntnis-Christentums von Freiheit und Liebe. Rudolf Steiner schrieb im Nachrichtenblatt vom 13. Januar 1924 immerhin, dass mit der Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft die Form beabsichtigt wurde, welche die anthroposophische Bewegung zu ihrer Pflege bedarf, und er charakterisierte diese Bewegung am 18. Juli 1924 in Arnheim als das neue Christentum, welches den am himmlischen Michaelkultus in  der geistigen Welt beteiligten anthroposophischen Seelen vorbestimmt waren, um im „Aufbruch zur VI. Kulturperiode“ diese innerhalb der irdischen Menschheit vorzubereiten. So lautet nämlich der Titel einer Ausgabe der gesammelten, frühen  Aufsätze von Valentin Tomberg, aus denen unter anderem ersichtlich wird, inwiefern das für das verstehende Erleben des neuen Erkenntnis-Christentums die "Philosophie der Freiheit" von Rudolf Steiner die methodische Grundlage bildet.

Die horizontale Linie dieses Kreuzes der Weihnachtstagung enthielte dann, im Lichte der sozialästhetischen Studien Herbert Witzenmanns [1], die Orientierung, wie durch die „Bildung der entsprechenden Relation“ auf Vorstandsebene zwischen allen anthroposophischen Gesellschaften und Organisationen weltweit - als Unterabteilungen der neu zu etablierenden Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft - die Übereinstimmung mit dem Gründungs-Statut der Weihnachtstagung zu erreichen wäre, mit jener Weihnachtstagung also, die nach Rudolf Steiner einen Welten-Zeiten-Wende-Anfang enthielt. In seiner Einführung zum Buch "Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums" von Rudolf Steiner hat Herbert Witzenmann diesen  Welten-Zeiten-Wende-Anfang als die zeitgemäße Metamorphose der urchristlichen Glaubensgemeinde in der Zeit des Mysterium von Golgotha hin zu einer Erkenntnisgemeinschaft des neuen Christentum dargestellt.  Und wenn Rudolf Steiner in seinem einzigen Vortrag über dem Manichäismus am 11. November, 1904   in Berlin davon spricht, dass die äussere Organisationsform für das wahre Christentum der 6. Kulturepoche, „die Gemeinde, in der zuerst der christlichen Funke so recht Platz wird greifen können,“  schon jetzt in der heutigen 5. Epoche geschaffen werden muss, so kann man dies in dem Gründungs-Statuts der Weihnachtstagung erblicken. 

Doch im Laufe der Zeit gerieten 9 von den 15 Paragraphen des Gründungs-Statuts leider außer Funktion, da ihre Bedeutung nicht verstanden wurde. Dies hat Reto Andrea Savoldelli im Kapitel „Der stufenweise Verlust der sozialästhetischen Qualifizierung in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ im zweiten Teil seiner Trilogie Zur Tätigkeit von Herbert Witzenmann im Vorstand am Goetheanum gezeigt.  Bevor somit die Statuten der Weihnachtstagung überhaupt realisiert werden können, müssten sie zuerst wieder in Kraft gesetzt werden.

Eine Vorgehensweise, wie die Wiederherstellung und Verwirklichung des Gründungsstatuts zu erreichen wäre, habe ich in einer Empfehlung ab 2018 in verschiedenen Anträgen, Anliegen, in Artikeln und Arbeitsgruppen sowohl in Dornach wie in Holland zu formulieren versucht.  So wurde an der Generalversammlung von 2020 ein wohlbegründeter Antrag unter der Bezeichnung „Das neue Christentum wollend in Liebe der Welt verbinden zur Gesundung von Mensch und Erde“ gestellt, der aber  unter der Versammlungsleitung des Vorstandsmitglieds Justus Wittich durch einen Nicht-Eintretens-Antrag diskussionslos vom Tisch gewischt wurde.

Um eine Wiederholung zu vermeiden und um endlich eine Diskussion zu ermöglichen im Sinne von Paragraph 8 der heutigen Statuten („Anliegen, die geistige Ziele und Aufgaben der Gesellschaft betreffen, werden nur in freier Aussprache behandelt. Eine Abstimmung darüber findet nicht statt."), habe ich anlässlich der letzten Generalversammlung vom 27. März 2021 keinen Antrag, sondern ein Anliegen unter dem Titel „Zur Wiederherstellung und Verwirklichung der Statuten der Anthroposophischen Gesellschaft im Hinblick auf die Jahrhundertfeier der Weihnachtstagung im Jahre 2023“ im grossen Saal des Goetheanum per Video-Übertragung vorgebracht. Sein Text (ohne Begründung) lautete wie folgt:

 „Die Generalversammlung bittet den Vorstand, zu prüfen, ob die oben [d.h. in meinem Antrag vom 2020] dargestellte Vorgehensweise um die an der Weihnachtstagung 1923 beabsichtigte, aber seitdem ernsthaft beschädigte und verlassene Form für die Pflege der anthroposophischen Bewegung als Erscheinung des neuen Christentums im Hinblick auf die Jahrhundertfeier der Weihnachtstagung im Jahre 2023 zeit- und geistgemäss wieder herzustellen und zu verwirklichen sei und im positiven Falle dies innerhalb von 6 Monaten der Mitgliedschaft bekannt zu machen. Falls dies nicht möglich sei, möge der Vorstand angeben, wie es dann sonst wohl möglich ist.“

Versammlungsleiter war wiederum Justus Wittich. Doch statt mein Anliegen einzuführen, las er irrigerweise stattdessen aus der Vorbemerkung meinen Antrag von 2020 vor. Danach wörtlich: „Herr Kelder empfehlt der Generalversammlung das und diese Empfehlung nehmen wir sowieso an, weil wir in der Konstitutionsgruppe dabei sind, diese Frage auszuarbeiten und mit den Mitgliedern für die Gesellschaftsgestaltung darauf einzugehen, aber die Frage ist, ob sie ins Gespräch kommen wollen zur Abstimmung, weil Herr Kelder ein Beschluss herbeibringen will [was eben nicht stimmt], dem Vorstand dies und jenes zu empfehlen und zu fordern.“ Nachdem seine Frage an die Generalversammlung, ob sie diesen Antrag [was kein Antrag sondern ein Anliegen war] behandeln will, mit großer Mehrheit abgelehnt wurde, sagte er: „Ich möchte Herrn Kelder berichten, wir sind im Vorstand dies zu unterstützen sehr einig, aber als Beschluss der Generalversammlung dies zu unterstützen ist es eigentlich ein Anliegen, aber kein Antrag.“

Justus Wittich hat also verschwiegen, dass ich 2021 ein Anliegen und gar keinen Antrag eingereicht hatte und damit auch keinen Beschluss der Generalversammlung herbeiführen wollte, sondern eine Diskussion über die Grundlagen unseren Gesellschaft eröffnen wollte, was er, aus Versehen oder was auch immer, leider verhindert hat. 

Nun nähern wir uns den Gründen, weshalb ich mich veranlasst sehe, diesen Antrag zur Nicht-Entlastung des Vorstands stellen zu müssen. Das Versprechen des Vorstandes, mein Anliegen bzw. meinen Antrag in der hierfür existierenden "Konstitutionsgruppe" weiter auszuarbeiten, wurde nämlich trotz zweifacher, schriftlicher Erinnerung in keiner Weise erfüllt. Anstelle dessen hat das leitende Mitglied dieses Kolloquiums Gerald Häfner, Leiter der Sozialwissenschaftlichen Sektion,  wiederholt betont, dass das Mandat der "Konstitutionsgruppe" eine solche Erörterung der Gesellschaftsgestaltungsfrage gar nicht zulasse. Diese soll unter formal-juristischen Geschichtspunkten ausschließlich die Chronologie der Konstitutionsgeschichte erarbeiten. Es gehe hier um Fakten, nur um Fakten, und nicht um Interpretationen. Dies ist aber eine tiefgreifend materialistische Vorgehensweise, wie man sie aus der Naturwissenschaft her kennt, die jedoch innerhalb des geisteswissenschaftlichen Gebietes ungeeignet ist, Geschweige angesichts des spirituellen Weihnachtstagungsimpulses, bei dem  vom Ideell-Urbildlichen auszugehen ist, wobei dem Faktischen und dem Juridischen eine untergeordnet darstellende  Rolle zukommt, welches allein im Hinblick auf das Urbildliche sachgemäß zu interpretieren ist.

Von einer Arbeit zur Gesellschaftsgestaltung, wovon Justus Wittich bei seinem Kommentar zu meinem Anliegen sprach, ja von einer Wiederherstellung des Gründungs-Statuts ist überhaupt nichts geworden. Eine solche wurde durch das eingeschränkte Mandat der Konstitutionsgruppe unmöglich gemacht, da es nicht beabsichtigt war. Es wundert denn auch nicht, dass nachdem schon die Konstitutions-Experten Mees Meeussen und Sebastian Boegner sich aus Unfrieden aus dieser Gruppe zurückgezogen hatten, ein anderes aktives Mitglied derselben, Thomas Heck, erklärte, dass auch er nicht weiter mitarbeiten kann, und, nachdem er sich beklagt hatte,  „dass es in gewisser Weise inzwischen als normal anzusehen ist, dass von Gerald Häfner und Justus Wittich inhaltliche Nachfragen nicht beantwortet werden“, er in einer Mail vom 24. März an das Kolloquium schrieb: „Zu der entscheidenden Frage nach der Identität der ‚Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft‘ sind wir gar nicht gekommen.“

Zu dieser entscheidenden Frage hat sich nun Herbert Witzenmann in nicht allein in seinen hier genannten Studien und Aufsätze vielfach und tiefgehend geäußert, sondern auch durch zahlreiche Vorträge, Seminaren  und Tagungen in seiner Funktion als Mitglied des Goetheanumsvorstandes und Leiters der sozialwissenschaftlichen Sektion. Trotz meiner wiederholten Empfehlungen, diese einzigartige gesamtgesellschaftliche Forschungsarbeit zur Kenntnis zu nehmen und anzuwenden, wie dies übrigens auch vom Häfners Vorgänger Paul Mackay empfohlen wurde, indem dieser im Nachrichtenblatt 9, 2005  schrieb, dass „Witzenmanns wegleitende Schriften zur sozialen Frage, wertvolles Arbeitsmaterial sind für jeden, der sich mit einer zeitgemäßen Sozialwissenschaft beschäftigen will“,  wurde also trotzdem dies bis heute vom Vorstand und Hochschulleitung übergangen. Dasselbe Schicksal erlitt das Anliegen von Eugen Meier, die Rehabilitation des Werkes  von Herbert Witzenmann betreffend, dass an der Generalversammlung von 2020 vom Vorstand entgegengenommen wurde, meines Erachtens aber bis heute nicht verwirklicht worden ist.

Die angeführten Vorkommnisse zeigen, dass leider kein Grund vorliegt, die Hoffnung zu hegen, dass es mit diesem heutigen Vorstand und der jetzigen Goetheanum-Leitung, deren Einsatz unbestritten wird, bei der Jahrhundertfeier der Weihnachtstagung im kommenden Jahr etwas wirklich Wahrhaftes zu feiern geben wird (es sei denn, ein Wunder passiert und/oder mein nun folgender Antrag wird angenommen). Höchstens kommt es zu einem nostalgischen Rückblick auf die ruhmreiche Vergangenheit, als Rudolf Steiner noch unter diesem Namen verkörpert war. Nein, bis heute ist leider (noch) nicht gut geworden, "was wir aus Herzen gründen, was wir aus Häuptern zielvoll führen" wollten. Es ist eigentlich eine Ungereimtheit, den Grundsteinspruch ohne Bewusstsein dieser traurige Tatsache unablässig zu zitieren, ohne alles zu tun, um die bei der Weihnachtstagung beabsichtigen Organisationsform des neuen Christentums im Sinne des Zeitgeistes wiederherzustellen.  Die peinliche Abwesenheit dieses neuen Zivilisationsprinzips ist die größte Bedrohung des Weltfriedens.

Unter der Voraussetzung, dass in einer anthroposophischen Gesellschaft die Entlastung des Vorstands nicht nur das Administrative, sondern auch das Geistige betrifft, d. h. dasjenige, was der Vorstand im Namen der Gesellschaft übernommen bzw. versäumt hat zu übernehmen um das Gründungs-Statut zu verwirklichen, stelle ich nun den folgenden Antrag: 

Antrag

Aufgrund der Vernachlässigung der von Rudolf Steiner dem Vorstand anvertrauten Hauptaufgabe, die allumfassende 15 Paragraphen  des Freiheitsstatuts der Anthroposophischen Gesellschaft als die angestrebte Formkraft des erneuerten Christentums auf Erden zu realisieren, sowie u.a. aufgrund der Nicht-Erfüllung des vom Vorstand an der letzten Generalversammlung ausgesprochenen Versprechens, das Anliegen Kelder zur Wiederherstellung jener seit der Weihnachtstagung schwer beschädigten und vernachlässigten Form in der sog. "Konstitutionsgruppe" auszuarbeiten, wird die Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft gebeten, den Vorstand nicht zu entlasten.

Falls der Antrag angenommen wird, möge der Vorstand als Interim-Vorstand seine Geschäfte solange weiterführen, bis an einer außerordentlichen Generalversammlung ein neuer Vorstand gebildet werden kann, der bereit und in der Lage sein wird das Gründungs-Statut der Gesellschaft im Sinne des Zeitgeistes wiederherzustellen und dabei der von Rudolf Steiner in ihnen veranlagte sozialorganische Ordnung innerhalb des Geisteslebens  der Menschheit zur Verwirklichung zu verhelfen.

Wednesday, March 31, 2021

ZUM TODESTAG RUDOLF STEINERS - Den 30.März 1925

 


Der unterstehender Text ist eine sprachlich korrigierte und gedanklich erweiterte Fassung, die gestern online veröffentlicht und an Freunde und Freundinnen gemaild wurde.

Beim Feiern des Geburtstags eines Menschen soll man auf die Impulse blicken mit denen er auf die Erde gekommen, beim Erinnern an seinem Tod schauen was er von diesen Impulse hat verwirklichen können. Wenn man diese Maxime von Rudolf Steiner auf ihn selber anwendet, muss man sich ernsthaft fragen, wie es heute mit seiner Anthroposophie und der Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus gestellt ist im Lichte seiner Aussage, dass die Welt für die Wahl steht im Geistesleben: Anthroposophie oder Jesuitismus und im Wirtschaftsleben: Dreigliederung oder Bolschewismus.Was das letzte betrifft wird, wie ich des öfteren dargestellt habe, die soziale Dreigliederung vom Goetheanum aus und darüber hinaus meistens in der veralteten Form des Buches "Die Kernpunkte der sozialen Frage" aus dem Jahr 1919 vertreten und so übersehen oder gar verschwiegen, dass mit dem Nationalökonomischen Kurs 1922 Rudolf Steiner, nach eigenen Worte, eine neue Denkweise und Sprache entwickelt hat. Das heute dieser Paradigmenwechsel noch immer vollgültig ist, hat Herbert Witzenmann u.a. in seinem Buch "Der gerechte Preis - Eine Grundfrage des sozialen Lebens" gezeigt.


Was die Anthroposophie betrifft ist die Neugründung der Anthroposophischen Gesellschaft durch die Weihnachtstagung 1923 nicht nur das grösste, es sei denn unvollendete Sozialkunstwerk des 20. Jahrhunderts, sondern ist es auch ein 
von der Menschheit mitgestaltetes Werk, denn an die Form dieser neugegründeten "Vereinigung von Menschen" zur universellen, geisteswissenschaftlichen Seelenpflege, d.h. an die Formulierung, Beratung und Beschlussfassung der 15 Statuten während der Weihnachtstagung hat die Mitgliedschaft aktiv teilgenommen und auch in so fern sie de Grundsteinmeditation in ihren Herzen aufgenommen und weiter gepflegt hat. 

Aber, wie ich in meinem an der Generalversammlung der AAV am letzten Samstag gestellten Anliegen mit Quellenangaben auseinandergesetzt habe, sind 9 von dieser 15 Statuten, welche die Organisationsform des wahren Manichäischen Christentums des 6. Slavischen Kulturepoche verkörpern,"gecancelled" und ersetzt.

Damit wurde dem grössten Gegenmacht dieses Christentums, der von Rudolf Steiner in seinem Karmavortrag vom 18. Juli 1924 zu Arnheim charakterisierten neue Arabismus, diesem von Ahriman inspirierten materialistischen Naturwissenschaft, welche die Menschheit und Erde akut bedroht und auf den falschen Bahn ihrer Evolution lockt, kaum etwas entgegengesetzt.

Wenn man noch dazu nimmt, das die Medische Sektion am Goetheanum die vom Staat auf Grund dieses neuen Arabismus entwickelte Impfungen gegen die Covid-19 Pandemie offiziell gutgeheißen hat, das anders lautende Ansichten online gestrichen wurde, dass von der Sozialen Sektion fast nichts gegen die diktatorische Staatsmaßnahmen eingewendet wurde und von der Allgemeinen Sektion der freien Hochschule kein Wort vernommen wurde über die Frage, ob nicht diese "Battle for Humanity" (Video der Bewegung Stopworldcontrol.com) ein Streit zwischen der überirdischen Michaelschule und der unterirdischen Gegenschule (sprich The Great Reset) ist, und dass es sich darum handelt, ob die Menschheit in die 8. Sphere eingesaugt wird, oder ob sie sich weiter auf dem Weg zum Gottesreich von Freiheit und Liebe auf Erde entwickeln kann, dann muss man leider feststellen, dass die Welt seit dem zu frühen Tod von Rudolf Steiner am 30. März, 1925 sich eher Richtung Jesuitismus und Bolschewismus als Anthroposophie und Soziale Dreigliederung bewegt hat und dass man das Menschenmögliche tun soll um mit Hilfe der geistigen Welt diese Richtung Kampf aller gegen allen umzukehren.

Saturday, March 20, 2021

Zur Wiederherstellung und Verwirklichung der Statuten der Anthroposophischen Gesellschaft im Hinblick auf die Jahrhundertfeier der Weihnachtstagung im Jahre 2023

 

Motto:

Was die Satzung van Manu war für das Alt-Indische Volk

und das Gesetz von Moses für das Israelitische Volk,

das waren die Statuten Rudolf Steiners

zur Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft

für das Neue Christentum des 6. Kulturzeitalters   


Anliegen an die Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in der Form einer Zoomkonferenz,  das am 27. März 2021 im Goetheanum zu Dornach an die dort und weltweit versammelte Mitglieder gezeigt werden soll mittels einer etwas kürzeren als die obige Videoaufnahme. Unterstehende Text is die in der Log-in Section der Goetheanum website heruntergeladene schriftliche Fassung, nicht die mündliche, verkürzte des Videos  


Vorbemerkung

Im Anschluss an meine Anträge von 2018, 2019 und an den Text für die während der Weihnachtstagung 2018 am Goetheanum im Herbert Witzenmann Zentrum durchgeführte Arbeitsgruppe „100 Jahre Weihnachtstagung 1923“ sowie im Hinblick auf die Jahrhundertfeier der Weihnachtstagung im Jahre 2023,  wurde unter dem Titel „Das neue Christentum wollend in Liebe der Welt verbinden zur Gesundung von Mensch und Erde“ der unterstehende, hier etwas erweiterte Arbeitsantrag an die Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft vom 31.Oktober, 2020 am Goetheanum in Dornach vorgelesen, der, obwohl nicht als solche von der Generalversammlung behandelt, durch das Vorstandsmitglied und den Versammlungsleiter Justus Wittich als Empfehlung angenommen wurde.


Zur zeit- und geistgemäßen Wiederherstellung der Form, welche die anthroposophische Bewegung oder das neue, wahre Christentum zu ihrer Pflege auf Erde braucht als Vorbereitung für das nächste, sechste Kulturzeitalter möge die Generalversammlung dem Vorstand empfehlen einen gesamtgesellschaftlichen Prozess der erforderlichen Bewusstseinsbildung und sozialorganischen Gestaltung zu initiieren und zu unterstützen, welcher im Rahmen der Jahrhundertfeier 2023  zur Entflechtung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in vier Unterabteilungen führen soll, nämlich die Anthroposophische Gesellschaft als solche, deren Verwaltung, die Administration des Goetheanum-Bau und der Philosophisch-Anthroposophischen Verlag am Goetheanum.

Da die Form der Landesgesellschaften der Konstitution der Anthroposophischen Gesellschaft nicht widersprechen darf, möge die Generalversammlung ebenfalls beschließen sie anzuregen, ihre Konstitution auch, wo nötig, in einem Gefäß zu verändern, dergestalt wie sie die anthroposophische Bewegung oder das neue Christentum zu ihrer Pflege braucht.

In der Kurzbegründung dieses Antrags wurde mit Bezug auf das Werk von Rudolf Steiner, Herbert Witzenmann, Valentin Tomberg, Judith von Halle, Reto Andrea Savoldelli und eigene Beobachtungen aus mehr als 40 Jahren Erfahrung aus dem Leben der Anthroposophischen Gesellschaft und der Hochschule sowohl in Dornach als auch in den Niederlanden Folgendes dargestellt:

1. Dass Rudolf Steiner sein Bericht im Nachrichtenblatt vom 13. Januar 1924 über die soeben geendete Weihnachtstagung (GA 260a, S.27): „Der Anthroposophischen Gesellschaft eine Form zu geben, wie sie die anthroposophische Bewegung zu ihrer Pflege braucht“, in seinen drei Vorträgen im Juli 1924 zu Arnheim über das Karma der anthroposophischen Bewegung und der Anthroposophischen Gesellschaft (GA 240) erläutert hat, dergestalt, dass mit „anthroposophische Bewegung“ er das während dem Michael-Kultus in der geistigen Welt vorbereitete „neue Christentum“ gemeint hat, und dass die vielen an diesem Kultus beteiligte anthroposophische Seelen vorbestimmt waren dieses neue Christentum auf die Erde unter der Menschheit zu bringen;

2. Dass aus dem was Rudolf Steiner schon am 11. November 1904 zu Berlin in seinem einzigen Vortrag, über den Manichäismus ausgeführt hat (GA 93, S. 76), nämlich dass „das wahre Christentums“ erst in der nächsten, sechsten Kulturzeitalter völlig verwirklicht werden kann, aber seine Organisationsform  schon jetzt in dieser fünften Kulturepoche vorbereitet werden muss, zu entnehmen ist, dass gerade diese Form von Rudolf Steiner, stellvertretend für die Individualität von Mani, eben mit der Weihnachtstagung beabsichtigt war, und wenn Rudolf Steiner damals bei der Besprechung der Statuten sagte, die Aufgabe des Vorstands sei lediglich diese allumfassenden Freiheitsstauten zu realisieren, dies also bedeutet die Form vorzubereiten, welche das neue, wahre Manichäische Christentum der 6. Slawischen Kulturperiode zu ihrer Pflege braucht;

3. Dass, wie Herbert Witzenmann u.a. in seinen Sozial-ästhetischen Studien  Die Prinzipien der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft als Lebensgrundlage und Schulungsweg  und Gestalten oder Verwalten - Rudolf Steiners Sozialorganik/ Ein neues Zivilisationsprinzip  entwickelt hat, mit der Weihnachtstagung von Rudolf Steiner eben ein neues Zivilisationsprinzip als die Form dieses neuen Christentums, die Sozialorganik inauguriert  wurde, die seitdem überall auf der Erde mit der nötigen moralischen Intuition, Phantasie und Technik als Oasen der Menschlichkeit verwirklicht werden kann. Diese könnten, einmal gegründet und miteinander verbunden, eine Perspektive auf ein Weltfriedensbund geben;

4. Dass, wie auch von Judith von Halle in ihrem Büchlein Die Coronavirus-Pandemie – Anthroposophische Gesichtspunkten dargestellt, ist dieses neue Christentum
auch das Heilmittel für den vom materialistischen Zivilisationsprinzip und ihren verursachten Krankheiten wie Covid-19 sowie weitere der Menschheit und Erde akut bedrohende Symptome, wie der Trans- oder Posthumanismus, die von Seiten des unrechtmäßigen Fürsten dieser Welt und des Anti-Christ hervorgetrieben werden.
In dieser Schrift schreibt sie (auf S. 108) in Bezug auf das Meditieren des Wahrspruches Rudolf Steiners „Das Schöne bewundern“: „Dann verwirklichen wir nichts Geringeres, als das Reich des Vaters, um dessen Kommen wir im Vaterunser bitten, auf unser Menschheitsumfeld zu erweitern.“ Darüber sind in diesem Anliegen weitere Hinweise zu finden, wie dieses Reich des Vaters als das Menschenreich von Freiheit und Liebe auf Erde der Form nach zu verwirklichen sei.

5. Dass vom dem was Valentin Tomberg schreibt im 2. Kapitel „Die Auswirkungen der Versuchung in der Erdemission Jesu Christi und im Schicksal der Menschheit“ seines Buches Anthroposophische Betrachtungen über das Neue Testament: „Die Aufgabe des Menschen besteht darin an dem Punkt, wo das Geschaffene, das Fertige der Welt aufhört, aktiv einzugreifen und den unvollendet gebliebenen Vorgang weiterzufuhren. Dann übernimmt der Mensch die Forstsetzung des Schöpfungswerkes Gottes und wird dadurch selbst zu einem bewussten Mitarbeiter, zum Freund Gottes […] Man kann auch mit anderen Worten sagen: die fertigen Naturreiche – und auch das Menschenreich, wie es geworden ist – sind da, aber der Mensch kann ein weiteres, noch nicht verwirklichtes Reich verwirklichen – das Reich Gottes“, von dem es ist nur ein „kleiner Schritt“  um zur Auffassung zu gelangen, dass der große Gottesfreund Rudolf Steiner mit der Weihnachtstagung eben beabsichtigt hat das Reich Gottes auf Erde der Form nach zu verwirklichen;

6. Dass dabei die Grundsteinmeditation die erneute Erkundung dieses Reiches von Freiheit und Liebe ist, die Statuten der Weihnachtstagung die Leitlinien zu ihrer Verwirklichung darstellen, und der Menschheitsrepräsentant Rudolf Steiners die Zugangspforte zu diesem Himmelreich auf Erden bildet, wo die Gegenmächte keinen Einfluss mehr ausüben können, neutralisiert sind;

7. Dass hingegen, wie dies Reto Andrea Savoldelli im Kapitel „Der stufenweise Verlust sozialästhetischer Qualifizierung in der anthroposophischen Gesellschaft“ aus dem 2. Band seiner Trilogie Zur Tätigkeit von Herbert Witzenmann im Vorstand am Goetheanum (1972-1988) ausführlich dargestellt hat,  seit der Weihnachtstagung 1923 sogar 9 der 15 Paragraphen des Gründungsstatuts aufgehoben, missachtet oder ausgeschaltet wurden;            

8. Dass mit dem am 8. Februar 1925 in „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ umbenannten Goetheanum-Bauverein oder an der Weihnachtstagung 1926 keine Fusion der Anthroposophischen Gesellschaft mit dem umbenannten Bauverein durchzog. „konkludentes Verhalten“ stattgefunden hat, wie dies in einem Urteil des Schweizerischen Gerichtshofs auf Grund von ungenügenden Urteilsgrundlagen im Jahre 2005 irrtümlich festgestellt wurde, denn dieser Begriff „konkludentes Verhalten“ kann nur angewendet werden, wenn beide Gesellschaftskörper eine Fusion bewusst wollen, was in diesem Fall nicht der Fall war.

9. Dass aber trotzdem vom Vorstand und der Mitgliedschaft über Jahrzehnte lang versucht wurde – obwohl in den dafür eigentlich juristisch ungeeigneten Rahmen der modifizierten Statuten des umbenannten Bauvereins – die Aufgaben und Ziele der Weihnachtstagungsgesellschaft weiter versucht zu verfolgen (Stichwort: gemischter König), wie auch im 2. Paragraphen der heutigen Statuten der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft zwar später festgelegt wurde,[1] ohne dass aber dabei deutlich gemacht wird, dass am 28. Dezember 1923 nicht die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft gegründet, sondern die Anthroposophische Gesellschaft neugegründet wurde.

10. Dass diese Jahrzehntelange Pflege der Kultur der Weihnachtstagung, wie dies auch durch das Riemer-Gutachten[2] festgestellt wurde, und wie ich auch aus eigener langjähriger Erfahrung in Dornach bestätigen kann, nach dem Prinzip des Gewohnheitsrechts eine Wirklichkeitsbildende Wirkung hat, und dass man aus diesem Grund tatsächlich von einer konkludenten Fusion der Anthroposophischen Gesellschaft und der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft sprechen kann.

11. Dass somit die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft auch die reale Möglichkeit hat diese Fusion im Sinne der von Rudolf Steiner erwünschten „einheitlichen Konstitution“ neu zu gestalten, d.h. zu gliedern, wo der Vorstand das verbindende Element zwischen den Gliedern darstellt, damit die Verwaltungsaufgaben außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft ausgeführt werden können, und innerhalb dieser, auf Grund einer zeit-und geistgemässen Wiederherstellung des Gründungsstatuts, ein geistiger Freiraum einstehen kann für die Einwohnung des neuen Christentums für die Heilung von Mensch und Erde.

12. Dass damit dann das im Prinzip größte Sozialkunstwerk des 20. Jahrhunderts wiederhergestellt wäre als ein Reich der Übernatur, welche sich gegen die üblen Machinationen aus dem das Reich der Unternatur erfolgreich standhalten kann, wie dies Rudolf Steiner in seinem letzten Aufsatz „Von der Natur zu Unter-Natur“ als sein Vermächtnis uns hinterlassen hat.

 

ANLIEGEN 

Die Generalversammlung bittet den Vorstand  zu prüfen, ob die oben dargestellte Vorgehensweise um die an der Weihnachtstagung 1923 beabsichtigte, aber seitdem ernsthaft beschädigte und verlassene Form für die Pflege der anthroposophischen Bewegung als das neue Christentum im Hinblick auf die Jahrhundertfeier der Weihnachtstagung im Jahre 2023 zeit- und geistgemäss wieder herzustellen und zu verwirklichen auch rechtlich durchführbar ist und falls ja, dies innerhalb von 6 Monaten der Mitgliedschaft bekannt zu machen. Falls dies nicht möglich sei, möge der Vorstand angeben, wie es dann wohl möglich ist.       

        


[1] „Die Gesellschaft verfolgt ihre Aufgaben und Ziele nach dem ihr von Rudolf Steiner vorgeschlagenen und bei der Gründungsversammlung am 28. Dezember 1923 von den Mitgliedern einstimmig angenommenen Gründungsstatut.“ (Broschüre der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, Dornach, 2017, S. 9).

[2] Siehe die spitzfindige Arbeit von Mees Meeussen,  “Die verhinderte Diskussion”,  http://fvn-rs.net/index.php?option=com_content&view=article&id=4929:die-verhinderte-diskussion&catid=324:gesellschaftsgeschichte&Itemid=25 , die aber nicht reicht um der geisteswissenschaftlichen Forschung von Herbert Witzenmann über die Weihnachtstagungsimpuls als ein „Welten-Zeiten-Wende-Anfang“ Recht zu tun.

Tuesday, September 1, 2020

„Das neue Christentum wollend in Liebe der Welt verbinden zur Gesundung von Mensch und Erde“ - Antrag von Robert Jan Kelder an die Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft im Goetheanum am 31.Oktober 2020

Zum Geleit: Unter dem obigen Titel  wurde diesen Antrag am 1. September vom Antragsteller an den Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach zusammen mit den Englischen und Holländischen Übersetzungen eingereicht. Er ist eine verkürzte, aber vertiefte Fassung des gleichnamigen Antrags, der im April für den auf 31.Oktober verschobenen Generalversammlung formuliert wurde und der unten auf dieser Site noch zu lesen ist. Wenn man mit dem Antrag einverstanden ist und ihn mitunterschreiben oder unterstützen möchte, kann man dies sowohl als Mitglied oder Nicht-Mitglied tun durch einen email an den Vorstandssekretariat (vorstandssekretariat@goetheanum.ch) und an den Antragsteller (willehalm@gmail.com) zu schicken. Denn dies steht jedermann offen, aber nur Mitglieder haben Stimmrecht an die Generalversammlung. 

ANTRAG

Zur zeit- und geistgemäßen Widerherstellung der Form, welche die anthroposophische Bewegung oder das neue, wahre Christentum zu ihrer Pflege auf Erde braucht als Vorbereitung für das nächste, sechste Kulturzeitalter möge die Generalversammlung dem Vorstand empfehlen ein gesamtgesellschaftlicher Prozess der erforderlichen Bewusstseinsbildung und sozialorganischer Gestaltung zu initiieren und zu unterstützen, der im Rahmen der Jahrhundertfeier 2023  zur Entflechtung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in drei Unterabteilungen führen soll, nämlich: die Anthroposophische Gesellschaft als solche, deren Verwaltung und die Administration des Goetheanum-Baues.

Da die Form der Landesgesellschaften die Konstitution der Anthroposophischen Gesellschaft nicht widersprechen darf, möge die Generalversammlung ebenfalls beschließen sie anzuregen, ihre Konstitution auch, wo nötig, in einem Gefäß zu verändern, dergestalt wie sie die anthroposophische Bewegung oder das neue Christentum zu ihrer Pflege braucht. 

VORBEMERKUNG

Der Titel dieses Arbeitsantrags „Das neue Christentum wollend in Liebe der Welt verbinden zur Gesundung von Mensch und Erde“ ist eine Variation  auf das ursprüngliche Programm der General­­versammlung und Jahreskonferenz vom April 2020, das unter dem Motto aus den Leitsätzen Rudolf Steiners stand: „In Liebe wollend sich der Welt verbinden - Wie können wir gesundend für Mensch und Erde wirken?“. „Es wäre“, so heißt es im Programm, „in den Morgenplena verbunden gewesen mit dem Blick auf die aktuellen Nöte der Gegenwart in Bezug auf die Erde (Klima und Landwirtschaft), die Gesundheit (100 Jahre Anthroposophische Medizin) und die heu­tige seelische Not des Menschen und deren Überwindung. „

Nun ist diese Anregung des ursprünglichen Mottos „In Liebe wollend sich der Welt verbinden“ eigentlich Sache des jeden einzelnen Mitglieds,  nicht also etwas, was die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft als solche beschließen könnte auszuführen, während demgegenüber die Empfehlung „Das neue Christentum wollend in Liebe der Welt verbinden zur Gesundung von Mensch und Erde“ sehr wohl etwas ist, was in der Kompetenz und im Entscheidungsbereich dieser Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft liegt.

Diese Stellung soll nun im Hinblick auf die aktuelle kritische Weltlage kurz begründet werden mit Bezüge auf das Werk von Rudolf Steiner, Herbert Witzenmann, Valentin Tomberg, Judith von Halle, Reto Andrea Savoldelli und eigene Beobachtungen aus mehr als 40 Jahre Erfahrungen aus dem Leben der Anthroposophischen Gesellschaft sowohl in Dornach als in den Niederlanden. (Die dazu gehörige Hinweisen, Zitaten und Quellen sind in der längeren Begründung  dieses Antrags von 9 Seiten zu lesen auf http://Willehalm-Stiftung.blogspot.nl). Als eine angestrebte Rehabilitation der Anthroposophischen Gesellschaft schließt es an an dem Anliegen von Eugen Meier an diese Generalversammlung zur „Rehabilitation“  der Person und des Werkes von Herbert Witzenmann (1905-1988), ehemaliges Vorstandsmitglied und Leiter der Jugendsektion und die der Sozialwissenschaft am Goetheanum.   

KURZBEGRÜNDUNG 

„Der Anthroposophischen Gesellschaft eine Form zu geben, wie sie die anthroposophische Bewegung zu ihrer Pflege braucht“ wurde von Rudolf Steiner mit der Weihnachtstagung 1923 am Goetheanum beabsichtigt  (Nachrichtenblatt vom 13. Januar 1924, GA 260a, S. 27).

 Dass mit „anthroposophische Bewegung“ Rudolf Steiner das während dem Michael-Kultus in der geistigen Welt vorbereitete „neue Christentum“ gemeint hat, und dessen Hauptgegner den von Ahriman inspirierten „neuen Arabismus“ erläutert er 1924 zu Arnheim im seiner drei Vorträge über das Karma der anthroposophischen Bewegung und der Anthroposophischen Gesellschaft (GA 240), wobei er unter den neuen Arabismus lediglich die von den Arabern im Mittelalter entwickelten und später von den Europäer weiterentwickelten Denk- und Beobachtungsweise der materialistischen Naturwissenschaft im Auge hat, die das Seelisch-geistige nur als Epiphänomen, d.h. als nicht-existente Begleiterscheinung des Physischen auffasst.

Dass nun die früher Prinzipien und jetzt Gründungsstatut genannten Statuten der Weihnachtstagung eben genau als die Form gemeint waren, welche die anthroposophische Bewegung zu ihrer Pflege braucht, dass zudem mit der Weihnachtstagung ein neues Zivilizationsprinzip als die Form dieses neuen Erkenntnis-Christentums, die Sozialorganik inauguriert  wurde, eine Form, die überall auf der Erde mit der nötigen moralischen Intuition, Phantasie und Technik verwirklicht werden kann, dass ferner die dynamische Dreigliederung des Gründungsstatuts mit den drei Versen der Grundsteinmeditation über das Geist-Erinnern, Geist-Besinnen und Geist-Erschauen zusammenhängen, und dass schließlich das Gründungsstatut das ideelle Ebenbild des Menschheitsrepräsentanten darstellt, all dies und mehr hat das ehemalige Vorstandsmitglied Herbert Witzenmann u.a. in seinen zwei Sozialästhetischen Studien  Die Prinzipien der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft als Lebensgrundlage und Schulungsweg (Dornach, 1984)[1] und Gestalten oder Verwalten – Rudolf Steiners Sozialorganik/ Ein neues Zivilisationsprinzip (2. Auflage, Dornach 1986)[2] herausgeforscht, oder ist daraus abzuleiten.  Darauf wurde schon hingewiesen in meinem (verhinderten) Antrag an die Generalversammlung am Goetheanum vom Jahre 2018„Über Trümmern Vertrauen – Zum Wiedergewinn des realen Bodens worauf wir bauen können[3], in meinem Text für die Arbeitsgruppe „100 Jahre Weihnachtstagung“ im Herbert Witzenmann Zentrum in Dornach am Weihnachten 2018 „Die Weihnachtstagung als eine zeitgeschichtliche Metamorphose des Mysteriums von Golgotha und ihre Verwirklichung als ewige Aufgabe [4] und in meinem (mittels einem Geschäftsordnungsantrag vom Herrn Andreas Kiepke sofort vom Tisch gewischten) Antrag „Zur Befreiung vom gemischten König am Goetheanum  und Reetablierung der Anthroposophischen Gesellschaft[5] an die Generalversammlung 2019.  Will man die Begründung dieses Antrags zur Erneuerung bzw. Wiederherstellung des Weihnachtstagungsimpulses als die Schöpfung der sozialen Leiblichkeit des Neuen Christentums verstehen und dazu beitragen sie wiederherzustellen, beziehungsweise zu heilen, ist das Studium dieser Texte absolut erforderlich.

Eine zusätzliche Quelle für die tiefere Begründung dieses Antrags, worauf ebenfalls in den früheren Anträge hingewiesen wurde, ist nun das anthroposophische Werk von Valentin Tomberg, insbesondere sein Buch Anthroposophische Betrachtungen über das Neue Testament. Im 2. Kapitel dieses Buches  „Die Auswirkungen der Versuchung in der Erdenmission Jesu Christi  und im Schicksal der Menschheit“ wird im 3. Teil „Die Verwandlung der äußeren Folgen des Sündenfalls der Menschheit durch Christus“ an Hand der philosophischen und mystischen Bücher Rudolf Steiners einen wirklichkeitsgemässen Begriff vom dem Wesen des „Reiches Gottes“, von den „Wundern“ des Christus Jesus und von der großen Idee der Gottesfreundschaft geschaffen (S. 47 ff.). „Die Aufgabe des Menschen besteht darin an dem Punkt, wo das Geschaffene, das Fertige der Welt aufhört, aktiv einzugreifen und den unvollendet gebliebenen Vorgang weiterzufuhren. Dann übernimmt der Mensch die Forstsetzung des Schöpfungswerkes Gottes und wird dadurch selbst zu einem bewussten Mitarbeiter, zum Freund Gottes […] Man kann auch mit anderen Worten sagen: die fertigen Naturreiche – und auch das Menschenreich, wie es geworden ist – sind da, aber der Mensch kann ein weiteres, noch nicht verwirklichtes Reich verwirklichen – das Reich Gottes.“

Wenn man nun diesen und die vorigen Gedankengänge mitvollziehen kann, ist es nur ein „kleiner Schritt“ um zur Auffassung zu gelangen, dass der große Gottesfreund Rudolf Steiner mit der Weihnachtstagung eben beabsichtigt hat das Reich Gottes auf Erde der Form nach zu verwirklichen, dass dabei die Grundsteinmeditation die erneute Erkundigung dieses Reiches von Freiheit und Liebe ist, während die Statuten der Weihnachtstagung die Leitlinien zur ihrer Verwirklichung darstellen, und dass der Menschheitsrepräsentant Rudolf Steiners die Zugangspforte zu diesem Himmelreich auf Erden bildet, wo die Gegenmächte keinen Einfluss mehr ausüben können, neutralisiert sind. (Dass dieser Weihnachtstagungsimpuls, wie von vielen Konstitutionsforschern des Öfteren behauptet wurde und wird, endgültig gescheitert sei, ist genauso so irreführend wie zu behaupten, dass das Mysterium von Golgotha und die Stiftung des Reich Gottes von Freiheit und Liebe auf Erde durch Christus Jesus ebenfalls misslungen sei, weil das Christentum anscheinend gar nicht verwirklicht wurde. Dieses wurde, wie hingedeutet, von Rudolf Steiner durch das Mysterium der Weihnachtstagung erneuert und das nun der Verwirklichung durch die Seinigen harrt  als eine Form der göttlichen Magie, wo sich der Wille der geistigen Welt in Freiheit verbinden soll mit dem Willen der dazu aufgerufenen Menschen, modernen Gottesfreunden.) 

Wie dies nun noch weiter begründet werden kann, ist zu entnehmen aus dem was Rudolf Steiner schon am 11. November 1904 zu Berlin in seinem einzigen Vortrag (GA 93, S. 76), über den Manichäismus ausgeführt hat, nämlich „das wahre Christentum“ erst in der nächsten, sechsten Kulturzeitalter völlig verwirklicht werden kann, aber schon in diesem fünften Zeitalter vorbereitet werden muss.

Gerade diese Form wurde meiner Ansicht nach von Rudolf Steiner mit der Weihnachtstagung beabsichtigt, und wenn er damals bei der Besprechung der Statuten sagte, die Aufgabe des Vorstands sei lediglich diese allumfassenden Freiheitsstatuten zu realisieren, bedeutet dies also die Form zu verwirklichen,  welche das neue, wahre Manichäische Christentum der Zukunft zu ihrer Pflege braucht und dieses, frei nach dem Motto der Jahrestagung, in welcher die Generalversammlung von April hätte eingebettet werden sollen, „wollend in Liebe der Welt verbinden zur Gesundung von Mensch und Erde“. Wie auch von Judith von Halle in ihrem Büchlein  Die Coronavirus-Pandemie – Anthroposophische Gesichtspunkten dargestellt, ist dies auch das Heilmittel für den vom materialistischen Zivilisationsprinzip verursachten Krankheiten wie Covid- 19 [6] sowie weitere der Menschheit und Erde akut bedrohende Symptome, wie dem Transhumanismus, die von der Herrschaft des unrechtmäßigen Fürsten dieser Welt mittels dem „neuen Arabismus“ hervorgehen. 

Jetzt kommt aber die Kehrseite! Schon kurz nach dem Tod von Rudolf Steiners am 30. März 1925, gab es tiefe Spannungen im Restvorstand, die 1935 zur Ausschaltung von Ita Wegman und Elisabeth Vreede (was durch ein Beschluss der Generalversammlung 2018 wieder aufgehoben wurde) sowie der Englischen und Holländischen Landesgesellschaften führten (was schon in den 50er Jahren rückgängig gemacht wurde) und danach zur Entfremdung von Albert Steffen und Marie Steiner, die 1944 in ihrem Vorwort des Buches über die Weihnachtstagung (GA 260) schrieb: „Wir sind dem Ruf nicht gewachsen gewesen.“ So hat die Anthroposophische Gesellschaft nach ihrer Neugründung an der Weihnachtstagung 1923 keine weitere Generalversammlungen abgehalten, und wurde es indessen irrtümlich geglaubt, dass der am 8. Februar 1925 in „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ umbenannte Goetheanum-Bauverein die Anthroposophische Gesellschaft der Weihnachtstagung selber wäre.  Es fand damals auch keine Fusion der Anthroposophischen Gesellschaft mit dem umbenannten Bauverein durch „konkludentes Verhalten“ statt, wie dies in einem Urteil des Schweizerischen  Gerichtshofs auf Grund von ungenügende Urteilsgrundlagen im Jahre 2005 irrtümlich festgestellt wurde, denn dieser Begriff „konkludentes Verhalten“ kann nur angewendet werden, wenn beide Gesellschaftskörper eine Fusion bewusst wollen, was eben in diesem Fall gar nicht der Fall war.  Trotzdem wurde aber vom Vorstand und der Mitgliedschaft über Jahrzehntelang versucht – obwohl in den dafür eigentlich juristisch ungeeigneten Rahmen der modifizierten Statuten des umbenannten Bauvereins – die Aufgaben und Ziele der Weihnachtstagungsgesellschaft weiter zu verfolgen (Stichwort: gemischter König). Dies wurde auch im 2. Paragraphen der heutigen Statuten der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft zwar später festgelegt,[7] ohne dass aber dabei deutlich gemacht wird, dass am 28. Dezember 1923 nicht die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, sondern die Anthroposophische Gesellschaft neugegründet wurde, und ohne darauf  hinzuweisen, wie dies Reto Andrea Savoldelli im Kapitel „Der stufenweise Verlust sozialästhetischer Qualifizierung in der anthroposophischen Gesellschaft“ aus dem 2. Band seiner Trilogie Zur Tätigkeit von Herbert Witzenmann im Vorstand am Goetheanum (1972-1988) (Basel, 2017)  ausführlich dargestellt hat,  dass im Laufe der Zeit sogar 9 der 15 Paragraphen des Gründungsstatuts aufgehoben, missachtet oder ausgeschaltet wurden![8]           

Wie dem auch sei, diese Jahrzehntelange Pflege der Kultur der Weihnachtstagung, wie dies auch durch das Riemer-Gutachten festgestellt wurde, und wie ich auch aus eigener langjährigen Erfahrung in Dornach bestätigen kann, hat dies aber nach dem Prinzip des Gewohnheitsrechts eine Wirklichkeitsbildende Wirkung. Darum kann man aus diesem Grund tatsächlich von einer konkludenten Fusion der Anthroposophischen Gesellschaft und der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft sprechen. Somit hat die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft auch die reale Möglichkeit diese Fusion im Sinne der einheitlichen Konstitution neu zu gestalten, zu gliedern, wo der Vorstand das verbindende Element zwischen den Gliedern darstellt, damit die Verwaltungsaufgaben außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft ausgeführt werden können, und somit innerhalb dieser, auf Grund einer zeit-und geistgemässen Wiederherstellung des Gründungsstatuts, ein geistiger Freiraum einstehen kann für die Einwohnung des neuen Erkenntnis-Christentums für die Heilung von Mensch und Erde. Damit wäre dann das im Prinzip größte Sozialkunstwerk des 20. Jahrhunderts wiederhergestellt als ein Reich der Übernatur, welche sich gegen die Machinationen aus dem das Reich der Unternatur mittels dem neuen Arabismus erfolgreich standhalten kann. 

KONKLUSION

Aus dem Vorangehenden ergibt sich, dass die Konstitutionsfrage in erster Linie keine bloß juristische Angelegenheit ist, sondern die Frage, wie die ursprüngliche Form des neuen Christentums, die im Laufe der Zeit nach der Weihnachtstagung korrumpiert und juristisch verlassen wurde zeit- und geistgemäss wiederhergestellt werden kann als Vorbereitung für das nächste, sechste Kulturzeitalter beginnend etwa im 4. Millennium. Als die Frucht meiner Bemühungen der letzten fast 20 Jahre, sowohl in Dornach als in Holland, die Anthroposophische Gesellschaft der Weihnachtstagung zu erneuern in Dienst dieses zukünftigen Manichäischen  wahren Christentums,  wird mit diesem Arbeitsantrag  eine Zielsetzung ins Auge gefasst, die meiner Auffassung nach völlig übereinstimmt mit dem was Rudolf Steiner beabsichtigt hat, und die darum für Hochschul- und heutige Vorstandsmitglieder nicht einfach freilassend sein kann, da sie immerhin eine Freiheitspflicht übernommen haben in Übereinstimmung mit der Leitung der Freien Hochschule zu handeln, also mit Rudolf Steiner selber oder seinem Werk, da er keine Nachfolger ernannt hat. Was indessen offen und frei bleibt, sind die gemeinsam zu entwickelnde und vollziehende Schritte, die zu diesem Ziel führen sollen. 

Hoffentlich wird mit der Darstellung dieses Antrags und der darauffolgenden kurzen Diskussion einen ersten Beitrag dazu geliefert. Falls es nicht zu einer Diskussion kommen soll, könnte man diesen Antrag an einer Kommission, beziehungsweise die schon bestehende Konstitutionsgruppe weitergeleitet werden, die dann bei der nächsten Generalversammlung über ihre Befindungen Auskunft geben könnte.  Und hoffentlich wird von der Generalversammlung eingesehen, das wiederum ein Geschäftsordnungs-Antrag einzubringen in der irrigen Auffassung, dass diese Empfehlung an den Vorstand nicht zu verwirklichen sei, zu verwerfen sei, denn wieso ist eine Empfehlung nicht zu verwirklichen? Wenn dem Antrag zugestimmt wird, bedeutet dies lediglich, dass statt die Empfehlung von mir gemacht wird, sie von der Generalversammlung ausgeht, was ihr viel mehr Gewicht verleiht und deswegen es etwas schwerer sein wird sie einfach zu vernachlässigen, etwas was früher leider viel zu oft passiert ist.   



[1] Diese Studie wurde übersetzt ins Englische auf http://charter-of-humanity.blogspot.nl  und ins Niederländische auf http://handvest-der-menselijkheid.blogspot.nl

[2] Auch diese Studie wurde übersetzt ins Englische auf http://create-or-administrate.blogspot.nl und ins Niederländische auf http://www.willehalm.nl/fonds/vormgevenofbeheren.htm

[6] Judith von Halle: Die Coronavirus-Pandemie – Anthroposophische Gesichtspunkte (Dornach 2020). Darin schreibt sie (auf S. 108) in Bezug auf das Meditieren des Wahrspruches  Rudolf Steiners „Das Schöne bewundern“: „Dann verwirklichen wir nichts Geringeres, als das Reich des Vaters, um dessen Kommen wir im Vaterunser bitten, auf unser Menschheitsumfeld zu erweitern.“ Darüber sind in dieser Begründung des Antrags weitere Hinweise zu finden, wie dieses Reich des Vaters als das Menschenreich von Freiheit und Liebe auf Erde zu verwirklichen sei.

[7] „Die Gesellschaft verfolgt ihre Aufgaben und Ziele nach dem ihr von Rudolf Steiner vorgeschlagenen und bei der Gründungsversammlung am 28. Dezember 1923 von den Mitgliedern einstimmig angenommenen Gründungsstatut.“ (Broschüre der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, Dornach, 2017, S. 9).

[8] Dieses Kapitel ist Online erhältlich: http://das-seminar.ch. In meinem Antrag „Über Trümmern Vertrauen“ (zu finden auf http://Willehalm-Stiftung.blogspot.nl)  wurde diesen sozialästhetischen Verlust in der Anthroposophischen Gesellschaft wie folgt zusammengefasst: „Dies ist der Fall bei 3 von den 4 sich nach außen wendenden Statuten (d. h. 5, 9 und 13), die im Sinne einer Gesellschaft von freien Geistern ihre Motive darstellen und zusammenhängen mit dem Geist-Erschauen. Ebenfalls ausgeschaltet oder nicht realisiert worden sind 6 von den 7 Mittebildenden Statuten   (d. h. 4,6,8,10,12 und 14), die zusammenhängen mit dem Geist-Besinnen und alle Gesellschaftsorgane darstellen (wie z.B. die Jahresversammlung, wo Zentrum und Peripherie zusammenkommen sollen). Unbeschädigt sind zwar die sich nach innen wendenden Statuten (3,7,11 und 15), die zusammenhängen mit dem Geist-Erinnern und allemal Menschen repräsentieren (die 700 bis 800 Teilnehmer der Weihnachtstagung, Rudolf Steiner selber, die künftigen Mitglieder der Arbeitsgruppen und den Gründungsvorstand). Aber diese Triebfederartige Statuten können mit den fast allen aufgehobenen Motivartigen Statuten nicht vereinigt werden, weil fast alle Mittebildenden Statuten nicht mehr funktionsfähig sind. Dadurch kann eine Gesellschaftshandlung im Sinne der Philosophie der Freiheit, dass eine Handlung die Vereinigung von Triebfeder und Motiv ist, kaum mehr zustande kommen, da „der reale Boden“ [Rudolf Steiner an der Weihnachtstagung] auf dem wir arbeiten sollen, weitgehend eingestürzt ist.